244.000 – wer hat Angst vor Streetview?

244.000 Haushalte haben Einspruch gegen die Abbildung ihres Hauses bei Google Streetview eingelegt. In meiner Einschätzung sind das wenige gemessen an der Hysterie und dem Hype, der vor einigen Wochen um das Thema sowohl von Medien als auch Politik gemacht wurde. Es mag sein, dass für die eher geringe Zahl technische Hürden verantwortlich sind; das heißt, manchen Menschen, die vielleicht auch Widerspruch eingelegt hätten, war das Prozedere einfach zu kompliziert. Mag auch sein, dass die Bürger tatsächlich entspannter waren als der “öffentliche” Aufruhr, was das Thema anging.

Ich frage mich allerdings immer noch: Wo war diese Hysterie bei der Einführung der Vogelperspektive bei Microsofts Bing Maps (s. Screenshot)? Hier kann man sich ohne Probleme über die Gartengestaltung und Swimmingpoolgröße des lieben Herrn Nachbarn informieren. Für mich ist dies schon eher das Öffentlichmachen privater Dinge. Kein Hahn krähte jedoch danach.

Die Debatte hat auf jeden Fall deutlich gemacht, dass teilweise ein Unbehagen (um nicht zu sagen: Ängste) in der Bevölkerung herrscht, was Dienste wie Streetview angeht. Offenbar herrscht auch kein Konsens darüber, wie weit man Privatsphäre definiert – darüber wurde in der Debatte aber gar nicht diskutiert. Wenn es die angesprochenen Ängste jedoch gibt, hilft es nicht, einfach auf die Panoramafreiheit zu verweisen und gut ist. Rechtlich ist das zwar völlig in Ordnung – aber ist es das gesellschaftlich? Sollte man diese Leute nicht besser mitnehmen, durch mehr Transparenz, durch mehr Aufklärung? “Don’t be evil” war/ist das Motto von Google – dann sollte man sich diese Fragen aber auch stellen, bevor man seine Kamera-Autos losschickt.

Bing_schloss_karlsruhe